29.01.2026 Ein lachender Dinosaurier

Dieses Mal keine Bilder aus meiner künstlerischen Arbeit, dieses Mal Bilder aus meinem Berufsleben. Lehrerin sein ist anstrengend und doch gerade in der Kunst überraschend und manches Mal zu neuen Erkenntnissen führend.

Irgendjemand aus einer Klasse schreibt einen Satz auf eine Flasche – gefunden habe ich das Kunstwerk im Lehrerschrank eines Kollegen, der es dort vergessen hat, als er pensioniert wurde. Ich habe diese originelle Fluxus-Kunstarbeit über Jahre – seit 1998 – aufbewahrt, für mich als Zeichen, dass Jugendliche eben doch zur Auseinandersetzung mit Kunst fähig sind, Interesse entwickeln, ein Publikum werden können.

Hanno Rauterberg fordert gerade in einem Beitrag in „Die Zeit“ kostenfreier Eintritt in die Museen, tatsächlich führt ein kostenloser Zutritt zu mehr Besuchern. Es ist also Interesse an der Kunst da und keineswegs ein Publikum, das nur durch Events anzulocken ist.

Genauso habe ich in meinem Lehrerleben den Kunstunterricht immer mit Blick auf handwerkliche Fähigkeiten, auf Können vereint mit Kreativität aufgebaut. Dabei kommt man sich vor wie ein Dinosaurier – „moderne“ Kunstpädagogik setzt auf ästhetische Prozesse auf ästhetische Erforschungen, es muss kein Ergebnis mehr entstehen, sondern Kinder und Jugendliche müssen sich nur künstlerisch verhalten.

Beim Aufräumen und Ausmisten sind mir Zeichnungen aus einer siebten Klasse (vermutlich 2010) zum Rhinoceros von Albrecht Dürer in die Hand gefallen – die Kinder sind nun schon erwachsen. Ihre Zeichnungen überraschen mich noch immer – aus dem Dürerschen Nashorn werden durch Zerschneiden und Ergänzen der Strukturen ungeahnte Dinosaurier.

Wenn ich in den Ruhestand gehe, kann ich mir sagen: „Du warst ein lachender Dinosaurier!“

28.01.2026 Gu