Beim Räumen des bisherigen Archivs bin ich auf weitere Gemälde aus 1988 gestoßen, die mit Abtönfarben auf Papier gemalt sind. Die Papierbögen von einem Meter Breite und ca. 1,20 Metern Länge habe ich auf Keilrahmen gespannt, die mit Holzpappe betackert einen festen Malgrund boten.
Die Abtönfarben sind durchaus frisch geblieben, aber das Papier ist doch brüchig geworden. Die einzige Rettung wäre noch das Aufziehen auf Leinwand gewesen, aber sind es diese Übungen meines Werdeganges seit 1980 wert ?

Das oben abgebildete Gemälde zeigt auf der linken Bildhälfte deutlich eine weibliche Figur, doch die rechte Bildhälfte wird von einer Art Figurenwolke dominiert, aus der nicht eine Figuration hervortritt, sondern mehrere Formansätze erkennbar sind ohne zu einem Ganzen zu werden.

Dieses Gemälde ist eine Anhäufung von maskenartigen Gebilden in unterschiedlichen Größen, sie türmen sich über- und hintereinander, ohne dass der Raum definiert ist. Dunkle schwarze mit den Fingern gezogene Linien wirken wie Konturen, welche die Gebilde begrenzen.
Interessant auf der linken Bildhälfte ein großer Kopf, der von anderen Formen etwas verdeckt wird, doch zu erkennen ist ein breites Lachen.


Dieses Gemälde kann sowohl im Querformat als auch im Hochformat betrachtet werden.
Die Figurationen sind von Kinderzeichnungen, Kindermalereien oder von den CoBrA Künstler/ -innen angeregt.
Die Farbe Violett übernimmt die Aufgabe zu konturieren und Formen zu begrenzen.
Für mich stellen diese Gemälde aus 1988 eine Verarbeitung der Tradition dar, es sind Adaptionen kunsthistorischer Stile, welche die Improvisation erprobt haben.
Es fehlt in diesen Gemälden der sich zu entwickelnde eigene Charakter. Das ist ein normaler Vorgang, wenn man mit der Kunst beginnt.

Über dieses Gemälde habe ich gestaunt, ich habe völlig vergessen, so ein Bild erprobt zu haben.
Ein Rhythmus strukturiert die gesamte Bildfläche und setzt sich durch die Variation der hintereinander und übereinander liegenden runden oder spiralartigen Formen fort. Das Gemälde wirkt sehr musikalisch, aber ich kann mich nicht erinnern, was damals 1988 den Anstoß zu diesem Bild gab.

Dieses Gemälde zeigt am direktesten, welche künstlerischen Vorbilder ich verarbeitet habe. Die improvisierte Figur aus tierhaften und Maskenformen lehnt sich an Asger Jorn, Karel Appel und andere CoBrA Künstler an.
Was erzählen mir die Bilder über die Gegenwart 1988 ? Zeichnungen oder Gemälde, die ich in der Gegenwart anfertige, haben einen konkreten Bezug zu meiner Lebenswirklichkeit. Darin entdecke ich fast immer einen konkreten Hintergrund meines Alltags.
1988 habe ich offensichtlich mehr mit Farbe gespielt, um zu erfahren, was damit anzufangen ist.
Wie soll auch anders das Material einer angehenden Kunst-Bildnerin gefügig werden ?
23.06.2026 Gu