25.05.2026 „Du siehst nur dich selbst“

„Was du auch siehst, du siehst nur dich selbst“ ist ein Gemälde aus dem Jahr 1995. Ich habe mit Abtönfarben auf Papier, das als Rolle von 10 Metern angeboten wurde, gemalt.

Ich habe 1995 das große Format bearbeiten wollen, Gefühl rauslassen durch Farbspritzer, Handabklatsch, Farben verschmieren, mit den Händen in direkter Aktion die Farben auftragen. Dabei aber nicht von einem konkreten Bild ausgehen, sondern im Prozess sehen, was sich auf der Fläche ereignet und ein Motiv, ein Bild formen.

Die Tradition des Informel habe ich verarbeitet, Karl-Otto Götz, Jackson Pollock, aber auch die Tradition Cobra, Asger Jorn, Karel Appel, und genauso zu nennen ist Henri Michaux. Die experimentelle Herangehensweise um ein Bild entstehen zu lassen, ohne Naturvorbild, ganz aus dem Material und dem Zufall haben mich 1995 geprägt.

Acryl-Abtönfarben auf Papier im Format 1,10 m x 1,40 m – 1995

Das Einbeziehen der entstehenden Kleckse, Farbspuren, Spritzer, Flecken, Verwischungen ist ein hohe Konzentration erforderndes Malen, wenn das Ziel ist, nicht Beliebigkeit zu produzieren, sondern etwas Geformtes.

Der Prozess des Malens, des Gestaltens bedeutet die Farben zu etwas formen, dass man selbst will, was man selbst sieht.

„Was du auch siehst, du siehst nur dich selbst“ spielt genau darauf an, dass die eigenen Bildideen verwirklicht werden. In diesem Gemälde sind – wie so häufig – maskenartige Figurationen zu entdecken.

Bildausschnitt – untere Bildhälfte rechts
Bildausschnitt – obere Bildhälfte links – deutlich zu erkennen sind die Fingerspuren
Bildausschnitt oben rechts – die Form wird mit den in Farbe getauchten Fingern umschrieben
Bildmitte – gelbfarbige Handabklatsche mit rotfarbigen Flecken wirken wie ein Gesicht

Flecken, Spritzer, Handspuren – das Eintauchen und Sich-Verlieren in Farbe ist für mich nicht unbedingt langweilig geworden, aber mir sind Zweifel gekommen, ob ich auf diesem Gebiet weiter Neues entdecken kann. Die Künstler_innen des Informel haben ihre Kunst sehr weit getrieben.

Wer etwas Neues erproben will, muss sich also ein neues Feld suchen. So habe ich meinem künstlerischen Werdegang eine andere Richtung gegeben.

25.05.2026 Gu