15.10.2025 Eine Tür aus dem Jahr 2013

Türen öffnen sich und Türen schließen sich. Türen geben neue Orte frei. Im Jahr 2013 habe ich eine Wohnungstür mit Bildern gestaltet, weil die Glasfenster gestört haben. Es ist angenehm, wenn die eigene Umgebung nach eigenen Wünschen geändert werden kann.

Bei der Arbeit an meiner Tür musste ich an die mir aus dem Surrealismus bekannte Tür von Max Ernst denken. Max Ernst (1891 – 1976)

Ohne Titel (Bemalte Tür aus dem Haus von Paul Eluard in Eaubonne), 1923

Der oben eingefügte link führt zur Abbildung der Max Ernst Tür und erläutert diese sehr gut – es ist von ZDF Kultur ins Netz gestellt.

Meine Tür ist nicht surrealistisch, sondern eher konstruktiv, weil mich zu diesem Zeitpunkt die Variation interessiert hat. Das Thema Maske oder Gesicht habe ich mit möglichst klaren geometrischen Formen zeichnerisch erarbeitet. Um ein einheitliches Gesamtbild zu erhalten, bleibt die Farbigkeit im Bereich Rot, Gelb, Orange.

Die Bilder sind mit Aquarell- und Gouachefarben auf Cardboard im Format 25 cm x 25 cm angefertigt, für die Zeichnung wurden Graphitstifte verwendet.

Die Bedeutung von Türen wird kulturell immer wieder in Worte gefasst. Zum Beispiel hat der expressionistische Lyriker Franz Werfel in seinem Gedicht „Vier Türen“ eher pessimistisch das Öffnen von Türen dargestellt. Hinter jeder Tür kann Unvorhergesehenes stehen. Doch in der letzten Strophe ist ein – wie ich denke – positiver Ausblick. ( Quelle: Deutsche Gedichte )

Wehe! Wohin gehn wir? Wodurch schon sind wir gegangen.
Und ich reiße die letzte Türe auf:
Vor mir ist das Meer, vor mir ist das Meer.
Und mit Muscheln und Quallen zu mir hinauf
Schmelzen die Wellen zur Schwelle her. –
Ich bin gefangen vom Meer.
Aber der Atem des Ozeans
Atmet aus meinen Lungen, Stoß um Stoß,
Und die Augen werden mir schwer, –
Meerwasser-Tropfen treten aus ihnen groß.
Sturmschwalben schrillen, kreuzen, drehn,
Und wo die letzten weißen Kämme stehn
Ziehn am Horizont die geschmeidigen Schiffe heiter …

Wer kann unsere Welt verstehn?
Die großen Schiffe ziehn weiter, die Schiffe ziehn weiter …“

Franz Werfel lässt das Lyrische Ich im Meer versinken, es könnte sein, dass es untertaucht:

„Ich bin gefangen vom Meer.
Aber der Atem des Ozeans
Atmet aus meinen Lungen, Stoß um Stoß,
Und die Augen werden mir schwer, -„

Doch am Ende der Strophe, gleichzeitig Ende des Gedichtes „Vier Türen“ geht das Leben weiter.

„Ziehn am Horizont die geschmeidigen Schiffe heiter …

Wer kann unsere Welt verstehn?
Die großen Schiffe ziehn weiter, die Schiffe ziehn weiter …“

Die ziehenden Schiffe können als Metapher für das Fortdauern von Existenz gedeutet werden. Das ist ein positiver Ausblick. Man muss nicht alles verstehen, aber es geht weiter …

15.10.2025 Gu