Die Spiele der Surrealisten sind meist Gruppenzeichenspiele, um zu originellen – unvorhersehbaren – Formen zu gelangen.
Das „Blattfaltspiel“ des Surrealismus ist unter dem Namen Cadavre Exquis (französisch für „köstlicher Leichnam“) bekannt. Es wurde um 1925 von Künstlern wie André Breton, Yves Tanguy und Marcel Duchamp erfunden, um durch Zufall neue, ungewöhnliche Bilder und Texte zu erschaffen.
Mehrere Personen erstellen im gemeinsamen Zeichenspiel ein gemeinsames Werk, ohne dass ein Teilnehmer sieht, was die anderen zuvor gezeichnet oder geschrieben haben.

Mein Experiment besteht darin, das Spiel solo für neue Bildideen zu nutzen, ist das möglich?
- Blatt falten: Ein Blatt Papier wird in drei oder vier Abschnitte gefaltet (z. B. für Kopf, Oberkörper, Beine und Füße).
- Zeichnen: Der erste Spieler zeichnet den Kopf in den obersten Abschnitt. Er lässt Linien (z. B. für den Hals) ein kleines Stück über die Faltkante ragen, damit der nächste Spieler einen Anschlusspunkt hat.
- Verbergen: Der bezeichnete Teil wird nach hinten geknickt, sodass er für den nächsten Zeichner unsichtbar ist.
- Weitergabe: Das Blatt geht reihum, bis alle Abschnitte gefüllt sind.
- Auffalten: Am Ende wird das Blatt entfaltet und das Bildergebnis wird sichtbar.
Ich habe keine Mitspieler und falte mir so viele Papiere im Format DIN A4, dass ich beim Zeichnen der ersten Abschnitte, garantiert die Zeichnung vergesse, wenn ich die Papiere im ersten Abschnitt bearbeitet habe. Auf jedem bearbeiteten Blatt, welches ich mit dem ersten Abschnitt nach hinten gefaltet habe, kann ich die Anschlusslinien sehen und den zweiten Abschnitt bezeichnen. So habe ich den Papierhaufen bezeichnet, indem ich wahllos ein Blatt herausgreife und die Anschlusslinien für den nächsten Bildabschnitt nutze. Die Ergebnisse sind verblüffend – es ist tatsächlich möglich, dieses Spiel solo anzuwenden.
Ziel war und ist es, die Logik und die bewusste Kontrolle des Verstandes auszuschalten, und zwar dadurch, dass der erste Teil der Zeichnung unsichtbar bleibt. Die Künstler wollen den Zufall nutzen, um aus dem Unterbewusstsein zu schöpfen und absurde, ungewöhnliche Kombinationen zu finden, die ein Einzelner allein nicht erfunden hätte. Trotzdem ist dieses Spiel auch für einen einzigen Spieler eine mögliche Methode der Improvisation.


Aus diesen unfertig wirkenden Zeichnungen habe ich mithilfe von transparentem Entwurfspapier die Figurationen klarer herausgearbeitet. Die Zeichnungen sind mit Tusche auf Papier im Format DIN A4.


Teilweise habe ich das Entstandene ergänzt und ich habe die Figuration so überarbeitet, dass sie um 180° gewendet werden können – Umkehrbilder !







Hier zeige ich nur zwei Ergebnisse des Experiments „Cadavre exquis“ für eine Solo-Improvisation.
20.03.2026 Gu